Öffentlichkeitsarbeit

Nach wie vor ist der Bereich Psychiatrie durch Vorurteile und Mystifizierung belastet. Kaum ein Aufgabenbereich leidet so sehr unter Stigma und Tabus wie jener der Psychiatrie. Gerade deswegen sind alle Beteiligten – Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige psychisch Kranker, professionell Tätige und auch die Steirische Psychiatriekoordinationsstelle – aufgerufen, Aktivitäten zu setzen, die diesen Hürden entgegenwirken und einer vorbehaltslosen Begegnung psychisch Kranker dienen, wie sie gegenüber einem somatisch Kranken als selbstverständlich gelten.

Aus diesem Grund wurde mit der Bezeichnung „Plattform Psyche“ für die Bevölkerung — und damit alle potentiellen InteressentInnen bzw. KonsumentInnen der im Rahmen der psychiatrisch/ psychosozialen Versorgung zur Verfügung gestellten Betreuungsangebote — ein Begriff gewählt, der nach außen verständlich ist und die Zusammengehörigkeit dieses breiten Leistungsbereiches verdeutlichen soll.

Unter dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ gilt es, über die zahlreichen Aktivitäten für die Belange der Sozialpsychiatrie auch so zu reden, dass es bei denjenigen, die es hören sollen, auch ankommt. Und dazu ist es notwendig, in unserer mit zahllosen Kommunikationsmitteln überfluteten Gesellschaft, die passenden Mittel zu wählen. Die folgenden Kapitel sollen zeigen, wie bzw. was in der Steiermark in der Psychiatrie und der sozialpsychiatrischen/ psychosozialen Versorgung an öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten gesetzt wird.

Anti-Stigma-Arbeit

Psychisch kranke Menschen werden auch heute noch nicht als gleichwertig mit anderen Erkrankten gesehen.

Um der weiteren Verbreitung des Stigmas der psychischen Erkrankungen entgegen zu wirken, wurde die Schizophrenie als die wahrscheinlich am meisten stigmatisierte Erkrankung, als „Trägermedium“ für eine weltweite Offensive verwendet. Bekannte Vorurteile wie die, dass Schizophrenie-Betroffene eine „gespaltene Persönlichkeit“ hätten oder die Krankheit unbehandelbar sei, halten sich hartnäckig in der Bevölkerung. Noch immer werden Schizophrenie-Kranke ausgegrenzt und diskriminiert, obwohl weltweit rund ein Prozent aller Menschen an schizophrenen Störungen erkranken.

Im Zuge der Bemühungen, die falschen Vorstellungen über schizophrene Störungen zu überwinden, hat die World Psychiatric Association (WPA), der Weltverband für Psychiatrie, eine weltweite Anti-Stigma-Kampagne initiiert (www.openthedoors.com). Die Kampagne, welche die zahlreich verbreiteten Mythen und Missverständnisse, die sich um die Schizophrenie ranken, zerstreuen und die Diskriminierung reduzieren soll, wurde weltweit in mehr als 80 Ländern umgesetzt.

Neben der intensiv lancierten generellen Öffentlichkeitsarbeit ist eine Umsetzung sowohl regional als auch auf bestimmte Zielgruppen bezogen, nötig.

Für die Steiermark wurde deshalb von Seiten der Psychiatriekoordinationsstelle im Gesundheitsfonds Steiermark, der Dachverband der sozialpsychiatrischen Vereine und Gesellschaften Steiermarks federführend mit der Durchführung von Projekten, die der Information und Aufklärung dienen, betraut.

„Gegen Stigma und Diskriminierung vorgehen“ ist auch eine der Hauptforderungen der Helsinki-Deklaration 2005 und auch der aus dieser ministeriellen Konferenz hervorgegangene Österreichische Psychiatrie-Beirat nennt Anti-Stigma-Arbeit als zentralen Aspekt eines nationalen Aktionsplans (www.bmg.gv.at).

Informationsbroschüre „die psychosoziale Versorgung der Steiermark – Verzeichnis der Servicestellen“

Um den Zugang zur psychiatrisch/psychosozialen Versorgung zu erleichtern, wird von der Psychiatriekoordinationsstelle im Gesundheitsfonds Steiermark eine Informationsbroschüre zur Verfügung gestellt, welche das komplexe psychosoziale/sozialpsychiatrische Versorgungsangebot in übersichtlicher und leicht verständlicher Form darstellt.

Die Broschüre geht zunächst auf die nach wie vor schwierige Situation psychisch kranker Menschen in unserer Gesellschaft ein, um im Anschluss für jeden Betroffenen, professionellen Betreuer oder fachlich Interessierten — den Weg zum jeweils passenden Angebot zu weisen.

Zu diesem Zweck werden zunächst die verschiedenen ambulanten sowie stationären psychiatrischen Betreuungsleistungen beschrieben; danach werden — ergänzend zu einer graphischen Übersicht – alle aktuell verfügbaren Einrichtungen mit Kontaktadressen sowie —Telefonnummern dargestellt. Kontakte zu den stationären psychiatrischen Angeboten komplettieren den Serviceteil.

Die Broschüren können – als Serviceinstrument konzipiert – im Gesundheitsfonds Steiermark angefordert werden beziehungsweise steht die Broschüre auch digital zum Download zur Verfügung.

Zur Broschüre

World Mental Health Day

Der World Mental Health Day wurde von der World Federation for Mental Health (WFMH) 1992 ins Leben gerufen und wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt. Jährlich finden internationale Symposien statt, um auf Fragen der psychischen Gesundheit aufmerksam zu machen. Der World Mental Health Day dient dem gemeinsamen Bemühen, größeres öffentliches Bewusstsein und Verständnis für psychische Gesundheit und psychische Erkrankungen zu erzielen.

Nach Angaben der WHO sind psychische Erkrankungen dramatisch im Ansteigen begriffen; insgesamt rechnet man mit 400 Mio. betroffenen Menschen weltweit. Auch in Österreich kann man davon ausgehen, dass jeder Vierte zumindest einmal in seinem Leben massive psychische Probleme hat, zu deren Bewältigung er professioneller Hilfe bedarf.

Der Leidensdruck bleibt aber nicht nur auf die Krankheit selbst beschränkt, sondern wird insbesondere in Folge der gesellschaftlichen Stigmatisierung vergrößert. Erniedrigung, Isolation und Arbeitslosigkeit sind Teilaspekte davon.

Der Tag der seelischen Gesundheit wird vom Weltbund für psychische Gesundheit (WFMH) weltweit und alljährlich am 10. Oktober begangen. Ziel ist die stete Sensibilisierung zum Thema psychische Erkrankung und Wohlbefinden.