GESUND BLEIBEN

Händehygiene im steirischen Gesundheitswesen

In Gesundheitseinrichtungen erworbene Infektionen (sogenannte Gesundheitssystem-bezogene Infektionen bzw. im Angloamerikanischen als „healthcare-associated infections“ bekannt) beeinträchtigen teils erheblich den Gesundheitszustand der betroffenen Personen und können auch den jeweiligen Heilungsprozess verzögern. Ein längerer Aufenthalt in einer Gesundheitseinrichtung kann die Folge sein.

Zusätzlich zu den Belastungen für die Betroffenen gehen auch vermehrte Kosten für das Gesundheitssystem einher. Diese Infektionen beschränken sich nicht nur auf Krankenhäuser, sondern können in allen Gesundheitseinrichtungen, wie zum Beispiel in Langzeit-Pflegeeinrichtungen, Rehabilitationseinrichtungen, Ambulatorien, Ordinationen oder auch im Rettungsdienst, auftreten.

In Gesundheitseinrichtungen stellt die Händedesinfektion eine der grundlegenden Hygienemaßnahmen dar. Die Händedesinfektion in Gesundheitseinrichtungen zielt auf die Vermeidung einer Ansteckung mit und die Übertragung von Krankheitserregern (insbesondere von Bakterien und Viren) von einer Person zur nächsten Person ab. Sie schützt somit vor Ansteckung und Übertragung. Die Händedesinfektion gilt weltweit als die wirksamste Einzelmaßnahme zur Unterbrechung von Infektionsketten in Gesundheitseinrichtungen und damit zur Vorbeugung von Gesundheitssystem-bezogenen Infektionen.

Bereits seit dem Jahr 2011 forciert der Gesundheitsfonds Steiermark die Umsetzung der „Aktion Saubere Hände“ im steirischen Gesundheitswesen, um das Bewusstsein von Gesundheitseinrichtungen bzw. im Konkreten des Gesundheitspersonals für diese einfache, aber doch so wichtige Hygienemaßnahme zu schärfen.

Ziel ist es, eine Optimierung der Compliance der Händedesinfektion des Gesundheitspersonals in den steirischen Gesundheitseinrichtungen zu erreichen und damit verbunden eine Reduktion Gesundheitssystem-bezogener Infektionen und der Übertragung von (multiresistenten) Erregern zu erzielen – zum Schutz der PatientInnen und BewohnerInnen als auch zum Schutz des Gesundheitspersonals in der jeweiligen Gesundheitseinrichtung.

Die Teilnahme an der „Aktion Saubere Hände“ ist für Gesundheitseinrichtungen in der Steiermark kostenfrei.

„Aktion Saubere Hände“

Die „Aktion Saubere Hände“ (ASH) ist eine Kampagne zur Verbesserung der Compliance der Händedesinfektion des Gesundheitspersonals in Gesundheitseinrichtungen. Das heißt, durch das Setzen von gezielten Maßnahmen soll die richtige und indikationsgerechte Durchführung der Händedesinfektion durch das Gesundheitspersonal in der jeweiligen Gesundheitseinrichtung verbessert werden. Die „Aktion Saubere Hände“ stellt dazu ein Bündel von Maßnahmen samt Informationsmaterialien, Arbeitsinstrumenten und Schulungsunterlagen bereit, um eine strukturierte Einführung und Umsetzung der „Aktion Saubere Hände“ in den Gesundheitseinrichtungen zu unterstützen. In der Steiermark wird die „Aktion Saubere Hände“ in Kooperation mit dem Gesundheitsfonds Steiermark umgesetzt.

Die „Aktion Saubere Hände“ wurde im Jahr 2008 in Deutschland ins Leben gerufen. Sie basiert auf der Kampagne der World Health Organization (WHO) „Clean Care is Safer Care“ und hat die Erhöhung der PatientInnen- und BewohnerInnensicherheit zum Ziel. Eine der möglichen Maßnahmen ist eine gute Händedesinfektion des Gesundheitspersonals in Gesundheitseinrichtungen. Mit einer Händedesinfektion kann die Ansteckung mit und die Übertragung von Krankheitserregern (insbesondere von Bakterien und Viren) von einer Person zur nächsten Person vermieden werden und damit verbunden die Gefahr eine Infektion zu erleiden. Sie dient dem Schutz von PatientInnen und BewohnerInnen und dem Schutz des Gesundheitspersonals.

Die Inhalte der „Aktion Saubere Hände“ sind den unterschiedlichen medizinischen Gegebenheiten angepasst und in drei Module unterteilt:

  • Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen
  • Alten- und Pflegeheime
  • Ambulante Medizin (ambulante Einrichtungen bzw. Organisationen wie zum Beispiel Ambulatorien, Ordinationen, Gesundheitszentren, Rettungsdienste)

Darüber hinaus stellt die Kampagne „Aktion Saubere Hände“ Informationen zum Thema Händehygiene für PatientInnen und Angehörige zur Verfügung. Die Teilnahme an der „Aktion Saubere Hände“ ist für Gesundheitseinrichtungen in der Steiermark kostenfrei.

Mehr Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung unter www.aktion-sauberehaende.de.

Ziele und Nutzen der „Aktion Saubere Hände“

Durch das gezielte Setzen von unterschiedlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Händehygiene des Gesundheitspersonals im Rahmen der „Aktion Saubere Hände“ in der Gesundheitseinrichtung wird ein Beitrag zur Erhöhung der PatientInnen- und BewohnerInnensicherheit und zum Schutz des Gesundheitspersonals geleistet. Eine qualitätsvolle Versorgung von PatientInnen und BewohnerInnen wird forciert, indem unnötige Gesundheitssystem-bezogene Infektionen und damit verbundene zusätzliche Belastungen – sowohl für die betroffene Person als auch für die jeweilige Gesundheitseinrichtung – vermieden werden.

Elemente der „Aktion Saubere Hände“

In Anlehnung an die Kampagne der World Health Organization (WHO) baut die „Aktion Saubere Hände“ auf folgenden Elementen auf:

Das Modell beruht auf Erkenntnissen, wie Erreger zum Beispiel im Krankenhaus, im Alten- und Pflegeheim, in der Ordination, usw. übertragen werden. In diesem Modell wird die Vielzahl der Einzelindikationen der Händedesinfektion in Indikationsgruppen zusammengefasst. Es erleichtert den MitarbeiterInnen das sichere Erkennen jener Momente, in denen eine Erregerübertragung möglich und daher eine Händedesinfektion im Arbeitsablauf erforderlich ist. Dieses Modell ist in allen Bereichen des Gesundheitswesens anwendbar und eine sinnvolle Hilfestellung für die MitarbeiterInnen im Arbeitsalltag.

Ursprünglich wurde das Modell der WHO zu den 5 Indikationen der Händedesinfektion für den stationären Krankenhausbereich entwickelt. Die „Aktion Saubere Hände“ hat gemeinsam mit der WHO eine Anpassung des WHO-Modells für die Alten- und Pflegeheime sowie für Einrichtungen und Organisationen aus dem Bereich der ambulanten Medizin (Ordinationen, Rettungsdienste, etc.) vorgenommen. Zahlreiche Informationsmaterialien als Erinnerungshilfen für die MitarbeiterInnen sowie auch Arbeits- und Schulungsinstrumente werden hierzu von der „Aktion Saubere Hände“ angeboten.

In diesem Erklärfilm der „Aktion Saubere Hände“ werden die Indikationen zur Händedesinfektion anschaulich vermittelt.

Die Anmeldung einer Einrichtung erfolgt über die Ärztliche oder Kaufmännische Leitung. Die aktive Unterstützung der Leitung ist maßgeblich für den Erfolg der Kampagne.

Die Kampagne bietet mehrere Standardfortbildungen inklusive Hintergrundinformationen und Arbeitsmaterialien (zum Beispiel in Form von Präsentationsunterlagen, erklärenden Video-Clips, etc.) an. Es sollte mindestens eine Fortbildung pro Jahr rund um das Thema Händedesinfektion für alle MitarbeiterInnen der Gesundheitseinrichtung angeboten werden.

Darüber hinaus bietet die „Aktion Saubere Hände“ Einführungskurse samt Arbeitsmaterialien zur Einführung und Etablierung der Aktion in der Gesundheitseinrichtung als Unterstützung an.

Die direkte Verfügbarkeit von Händedesinfektionsmittel ist ein wesentlicher Ansatzpunkt zur Verbesserung der Händedesinfektions-Compliance des Gesundheitspersonals. Die „Aktion Saubere Hände“ gibt einen Mindeststandard zur Ausstattung mit Händedesinfektionsmittelspendern vor. Mithilfe eines Formblattes kann die Ausstattung an Händedesinfektionsmittelspendern systematisch dokumentiert werden.

Ermittlung des jährlichen Verbrauchs an Händedesinfektionsmittel: Im Rahmen der „Aktion Saubere Hände“ ist es möglich den Verbrauch an Händedesinfektionsmittel im Modul HAND-KISS zu dokumentieren bzw. auszuwerten und den Verlauf über die Jahre zu beobachten, denn Veränderungen im Händedesinfektionsverhalten spiegeln sich im veränderten Verbrauch wieder. Die Daten von HAND-KISS bieten einen Überblick zum Händedesinfektionsmittelverbrauch in den einzelnen Stationen/Bereichen der Gesundheitseinrichtung. Die Messung des Händedesinfektionsmittelverbrauchs und der Vergleich der eigenen Daten mit Referenzdaten bietet die Möglichkeit, das Händedesinfektionsverhalten in der jeweiligen Gesundheitseinrichtung einzuschätzen.

Direkte Beobachtung: Eine weitere Möglichkeit die Händedesinfektions-Compliance des Gesundheitspersonals festzustellen, ist die direkte Beobachtung. Die dabei erfassten Daten können ebenfalls im Modul HAND-KISS dokumentiert und ausgewertet werden. Die direkte Beobachtung des Gesundheitspersonals während ihrer Arbeit im Rahmen der Versorgung von PatientInnen bzw. Betreuung von BewohnerInnen ist der genaueste Weg das Händedesinfektionsverhalten bzw. die Compliance des Gesundheitspersonals zu bestimmen. Die Beobachtung vermittelt direkt ein Bild vom IST-Zustand und bietet die Gelegenheit, das Verhalten zu analysieren. Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse zu, in wie weit zum Beispiel Erkenntnisse aus Schulungen bzw. Fortbildungen umgesetzt werden, bzw. wo noch Wissenslücken oder Fehler auftauchen. Maßnahmen zur Verbesserung der Händedesinfektion können so zielgerichtet und bedarfsorientiert gestaltet und gesetzt werden.

Ein elektronisches Datenerfassungs- und Auswertungssystem sowie Arbeitsmaterialien werden von der „Aktion Saubere Hände“ angeboten. Des Weiteren stehen jährlich Referenzdaten als Vergleichsmöglichkeit zur Verfügung.

Wesentlich für den Erfolg ist die Rückmeldung der jährlichen Ergebnisse an die Leitung und an die MitarbeiterInnen, mit dem Ziel, gemeinsam an der Verbesserung des Händehygieneverhaltens in der Gesundheitseinrichtung zu arbeiten!

Die Reduzierung Gesundheitssystem-bezogener Infektionen und die Übertragung von Krankheitserregern (wie zum Beispiel von multiresistenten Erregern) durch die Verbesserung der Händedesinfektionsverhaltens des Gesundheitspersonals ist das grundsätzliche Ziel der „Aktion Saubere Hände“.

Mehr Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung unter www.aktion-sauberehaende.de.

Vorteile einer Teilnahme an der „Aktion Saubere Hände“

  • Erhalt eines Bündels von Basismaßnahmen zur erfolgreichen Verbesserung des Händehygieneverhaltens des Gesundheitspersonals in der Gesundheitseinrichtung

  • Bereitstellung von Erklärfilmen, E-Learning-Tools, verschiedenen Schulungs- und Arbeitsunterlagen inkl. Hintergrundinformationen rund um das Thema Händehygiene

  • Bereitstellung von Werbe- und Informationsmaterialien, um Erinnerungshilfen für die MitarbeiterInnen im Arbeitsalltag zu setzen und auf das Engagement zur Verbesserung der Händehygiene in der Gesundheitseinrichtung aufmerksam zu machen

  • Zurverfügungstellung von jährlichen Informations- und Arbeitsmaterialien zu einem ausgewählten Schwerpunktthema

  • Erhalt von Evaluierungsinstrumenten (Modul HAND-KISS und direkte Beobachtung) um die Compliance der Händedesinfektion in der Gesundheitseinrichtung zu messen bzw. zu analysieren

  • Möglichkeit des nationalen und internationalen Vergleichs anhand von Referenzdaten

  • Teilnahmemöglichkeit an Veranstaltungen im Zuge der „Aktion Saubere Hände“

  • Logo der „Aktion Saubere Hände“ kann für die Öffentlichkeitsarbeit genützt werden

  • Möglichkeit Erfahrungsberichte zur „Aktion Saubere Hände“ zu veröffentlichen

  • Wiedererkennungswert und Imagegewinn

  • Möglichkeit des Erwerbs eines Zertifikates im Zuge der Teilnahme an der „Aktion Saubere Hände“

Anmeldung zur „Aktion Saubere Hände“

Die kostenfreie Anmeldung zur „Aktion Saubere Hände“ für steirische Gesundheitseinrichtungen ist direkt über die Website der „Aktion Saubere Hände“ möglich.

Ausgezeichnete Gesundheitseinrichtungen

Zahlreiche steirische Gesundheitseinrichtungen nehmen an der „Aktion Saubere Hände“ teil und engagieren sich für die Verbesserung der Compliance der Händedesinfektion des Gesundheitspersonals in der jeweiligen Gesundheitseinrichtung. Im Mittelpunkt steht dabei die Sensibilisierung der MitarbeiterInnen für eine konsequente, richtige und vor allem indikationsgerechte Durchführung der Händedesinfektion – zum Schutz der PatientInnen und BewohnerInnen als auch zum Schutz der MitarbeiterInnen!

Im Zuge der Teilnahme an der „Aktion Saubere Hände“ besteht die Möglichkeit, ein Zertifikat für die erfolgreich umgesetzten Maßnahmen zur Verbesserung der Händedesinfektion zu erwerben. Für den Erwerb eines Zertifikates müssen bestimmte Anforderungen erfüllt sein. Das Zertifikat wird direkt von der Charité Universitätsmedizin Berlin vergeben.

Hier finden Sie eine Übersicht der ausgezeichneten steirischen Gesundheitseinrichtungen.

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