BEWEGUNG ist Leben

Die 10. Steirische Gesundheitskonferenz fand am 6.Mai 2015 im Messe Congress Graz statt und stand unter dem Motto „Bewegung ist Leben“. Etwa 280 Personen nahmen an der Konferenz teil, die von Bettina Zajac-Thelen moderiert wurde.

Körperliche Aktivität, Gesundheit und Lebensqualität stehen in einem engen Zusammenhang. Der menschliche Körper hat das natürliche Bedürfnis, sich zu bewegen. Er benötigt daher regelmäßige körperliche Aktivität, um optimal zu funktionieren und gesund zu bleiben. Es ist hinlänglich bewiesen, dass die Folgen eines bewegungsarmen Lebensstils massive Auswirkungen auf die Gesundheit des Einzelnen haben können. Körperliche Inaktivität begünstigt Übergewicht, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Herz-Kreislauferkrankungen und sogar Depressionen. Wir bewegen uns zu wenig, und das sollte sich dringend ändern. Wir müssen uns bemühen, Bewegung zur leichteren Wahl zu machen, es muss möglich sein, sie in den Alltag zu integrieren. Selbstverständlich müssen Altersgrenzen und gesundheitlicher Gesamtzustand der Einzelperson dabei berücksichtigt werden, damit möglichst viele Menschen die Vorteile gesundheitswirksamer Bewegung für sich entdecken können.
Ziel der Konferenz war es, auf die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität für die Gesundheit des Menschen aufmerksam zu machen. Es wurde ein Ausblick über die Folgen des Bewegungsmangels gegeben, die Bedeutung des individuellen Verhaltens hervorgehoben sowie auf die Gestaltung entsprechender bewegungsförderlicher Lebenswelten eingegangen. Vorgestellt wurden auch einige in der Steiermark bereits stattfindende sowie geplanten Maßnahmen. 

 

 

Der Landesrat für Gesundheit und Pflegemanagement, Christopher Drexler, ging in seinen Begrüßungsworten darauf ein, dass sich die 10. Steirische Gesundheitskonferenz mit gutem Grund dem Thema „Bewegung“ widmet, denn Bewegung und Sport machen nicht nur Spaß, sondern haben auch viele positive Wirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Regelmäßige Bewegung stärkt unter anderem das Immunsystem, hält das Herz-Kreislauf-System fit und kann einer Vielzahl von Krankheiten vorbeugen. Der Einfluss des Faktors Bewegung auf die Gesundheit wird leider nach wie vor von vielen Steirerinnen und Steirern unterschätzt. Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung ist jedoch genauso wichtig. Daher gehören Bewegung und die richtige Ernährung zu den wichtigsten Faktoren für eine möglichst lange Erhaltung der Gesundheit.
Die Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Verena Nussbaum, machte darauf aufmerksam, dass die Bedeutung von ausreichender Bewegung für die Gesundheit außer Frage steht. Ebenso klar ist, dass die Freude an Bewegung bei vielen Menschen nicht sehr ausgeprägt ist – das beginnt leider bereits bei unseren Schülerinnen und Schülern. So gesehen, ist das Thema der steirischen Gesundheitskonferenz nur allzu aktuell. Die Angebote der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse decken ein breites Spektrum ab und reichen von der Physiotherapie bis hin zu den verschiedensten Formen der Gesundheitsförderung.
In seiner Einleitung nannte Gert Klima, Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark, als Ausgangspunkt für die Wahl des Themas „Bewegung“ die steirischen Gesundheitsziele, nämlich „Mit Ernährung und Bewegung die Gesundheit der SteirerInnen verbessern“. Der Gesundheitsfonds Steiermark hat sich in den letzten Jahren ausführlich mit dem Thema „Ernährung“ beschäftig, viele Initiativen gestartet und Projekte umgesetzt. Daraus entstanden ist unter anderem die Fach- und Koordinationsstelle Ernährung, welche als Drehscheibe und Netzwerk für die Steiermark fungiert. Das Thema Bewegung ergänzt in idealer Weise das Thema Ernährung. Bewegung ist ein essentieller Baustein des Lebens, Bewegung ist aber auch ein ideales Werkzeug zur Vorbeugung.

Die Vorträge zeigten einen internationalen Ausblick über die Folgen von Bewegungsmangel bis hin zur Bedeutung des individuellen Verhaltens und die Gestaltungbewegungsförderlicher Lebenswelten.

 

 

Perspektiven in Bewegung und Gesundheit

Lutz Vogt, Goethe Universität Frankfurt, Institut für Sportwissenschaften
Körperlich-sportliche Aktivität spielt eine zentrale Rolle bei der Prävention und Therapie zahlreicher chronischer Erkrankungen. Der Dosis-Wirkungszusammenhang zwischen Umfang, Intensität und Darbietung körperlicher Aktivität sowie Gesundheits- bzw. Therapienutzen ist dabei von besonderer Bedeutung. Ziel ist es, gezielt Empfehlungen für die bestmögliche Erhaltung und Wiederherstellung von Gesundheit, Funktion und Lebensqualität ableiten und verhaltens- sowie verhältnispräventive Maßnahmen begründen zu können. Der Vortrag präsentiert empirisch gesicherte Hinweise auf Dosis-Wirkungs-Beziehungen für 8 der 10 am besten untersuchten chronischen Erkrankungen. Für 6 (Prävention) bzw. 4 Krankheitsbilder (Therapie) lassen sich Empfehlungen zur minimalen wirksamen Dosis (1–7 h moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Woche) ableiten. Steigerungen der Bewegungsdosis gehen mit größeren gesundheitswirksamen Effekten einher.

 

 

Aktivierung und Bindung an den Gesundheitssport

Iris Pahmeier, Universität Vechta, Institut für soziale Arbeit , Bildungs- und Sportwissenschaften
Der Zusammenhang zwischen körperlich-sportlichem Aktivitätsverhalten und Gesundheit ist in weiten Teilen gut untersucht. Die positiven gesundheitlichen Effekte von körperlicher Aktivität in Bezug auf zahlreiche Erkrankungen sind auch durch Metaanalysen hinreichend belegt. Neue Studien dokumentieren zudem, dass gerade im Alter eine regelmäßige körperliche Aktivität entscheidend für den Erhalt der Selbständigkeit und individuellen Mobilität ist.
Allerdings zeigen Daten über das Aktivitätsverhalten, dass sich die Bevölkerungen westlicher Industrienationen über alle Altersgruppen hinweg – insbesondere jedoch im Alter – noch zu wenig bewegt. Gleichzeitig bricht ein Teil der Aktiven eine einmal begonnene Sportaktivität frühzeitig ab (Abbrecher) oder stellt diese gänzlich ein (Rückfall in die Inaktivität).

Vor diesem Hintergrund gewinnen Maßnahmen und Interventionen zur Gesundheitssport- und Bewegungsförderung zunehmend an Bedeutung in Theorie und Praxis. Entsprechende Projekte sind dann erfolgversprechend, wenn sie theorie- und evidenzbasierte Erkenntnisse berücksichtigen. Der nachfolgende Beitrag möchte deshalb

  • Das Phänomen Gesundheitssport beschreiben, begründen, einordnen;
  • Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Phänomen der Aktivierung (Motivation) zu und Bindung (Volition) an gesundheitsförderliche Bewegungsaktivität darstellen;
  • Zentrale Erkenntnisse aus der (Interventions-)Forschung systematisch zusammenführen und Konsequenzen für die Sport- und Bewegungsförderung ableiten.

 

 

 

Schaffung von optimalen Voraussetzungen für alltags- und freizeitbezogenen Bewegungsaktivitäten

Christian Halbwachs, Leiter der Abteilung Breitensport im Bundes-Sportförderungsfonds, Koordinator der Erstellung des Nationalen Aktionsplans Bewegung
„Bewegung ist Leben!“, das Motto dieser Gesundheitskonferenz, mag zur Frage veranlassen: „Wie viel Bewegung ist empfehlenswert?“ Die Österreichischen Empfehlungen für gesundheitswirksame Bewegung treffen dazu für Kinder und Jugendliche, Erwachsene sowie für ältere Menschen sehr klare Aussagen. Statistiken zeigen, dass viele Menschen aus gesundheitsorientierter Sicht den Bedarf hätten, sich mehr zu bewegen. Die Aufforderung den Lebensstil zu ändern („Mach‘ mehr Bewegung/Sport“) und der Appell an die persönliche Verantwortung wird heute in vielfältiger Form über Medien, Kampagnen etc. an die Menschen herangetragen. Es gibt aber viele Beispiele in der Gesundheitsförderung, die plakativ darstellen, dass ein Ansetzen am Individuum weniger effizient ist als eine Änderung der Verhältnisse, die die Entscheidung zu erwünschtem Verhalten zur leichten Entscheidung macht.
Der Nationale Aktionsplan Bewegung hat internationale Expertisen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgegriffen und ist das Ergebnis eines breiten Dialogs in Österreich. In ihm sind Ziele und Maßnahmen für mehr Bewegung in Österreich in den Bereichen „Sport“, „Gesundheitswesen“, „Bildungswesen“, „Verkehr, Umwelt, Raumordnung und Objektplanung“, „Arbeitswelt“, „Ältere Menschen“ formuliert. Es finden sich darin zahlreiche Ansätze, wie in den oben genannten Bereichen Maßnahmen gesetzt werden können, um bewegungsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen und die Verhältnisse bewegungsfördernd zu gestalten. Diese Ziele und Maßnahmen werden beispielhaft vorgestellt. Der Vortrag soll die KonferenzteilnehmerInnen auch motivieren, in ihren Arbeits- und Einflussbereichen aktiv zu werden und einen Beitrag zur Bewegungsförderung zu leisten.

 

Maßnahmen für die Steiermark

Im Rahmen eines Interviews wurden Maßnahmen vorgestellt, die in der Steiermark bereits umgesetzt werden, aber auch geplante Vorhaben für mehr Bewegung im Alltag.
Interviewrunde mit Silvia Titze (Institut für Sportwissenschaft der KF Universität Graz), Eva Adamer-König (FH Joanneum-Gesundheitsmanagement im Tourismus), Manuela Deutsch (Bewegungsland Steiermark), Fritz Bernhard (Verkehrsabteilung des Landes Steiermark) zum Thema „Aktuelle Situation und geplante Initiativen in der Steiermark“
Diskutiert wurden die geplante Umsetzung des HEPA-Programmes (Health –enhancing physical activity) in der Steiermark sowie von der Fachhochschule Joanneum entwickelte Bewegungskonzepte, welche in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden sollen. Der aktuelle Stand des „Bewegungslandes Steiermark“ wurde vorgestellt und die Vorhaben für die Zukunft diskutiert. Seitens der Verkehrsabteilung des Landes Steiermark wurde ein Einblick in strategische Mobilitäts- und Verkehrskonzepte, Shared Space und gerechte Mobilität (Fairkehr) gegeben.

 

Aktiv-Programm für mehr Gesundheit und Bewegung

Umrahmt wurde die Konferenz durch ein „Aktiv-Programm für mehr Gesundheit und Bewegung“, organisiert und koordiniert durch Norbert Schnitzer, Sportwissenschafter, welches großen Anklang bei den KonferenzteilnehmerInnen fand.
Der „aktive Teil“ umfasste Fitness- und Kräftigungsübungen, Koordinations- und ganzheitliche Bewegungsübungen sowie Bewegungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz. Der „passive Teil“ bestand aus Demonstrationen unterschiedlichster Körperarbeiten, Informationen über Ausdauersport und ausdauernde Bewegungsarten.

 

    

    

    

    

   

    

    

    

 

 

 

 

 

 

Bilder:  ©Gesundheitsfonds Steiermark/Loske