NÜCHTERN BETRACHTET. Steirischer Aktionsplan Alkoholprävention

Bei der 9. Steirische Gesundheitskonferenz haben nationale und internationalen ExpertInnen über Erfahrungen und Maßnahmen zur Prävention im Bereich Alkohol mit über 300 Anwesenden diskutiert.
Harald Gaugg, Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark erläuterte in seinen einleitenden Worten den Zusammenhang des Landes-Zielsteuerungsvertrages, der zwischen Land Steiermark und Sozialversicherung im letzten Jahr abgeschlossen wurde, und der Erarbeitung bzw. Umsetzung des Aktionsplans Alkoholprävention.

Landesrat Christopher Drexler: „Aus guten Gründen hat die Alkoholkultur einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft, dabei darf man aber nicht übersehen, dass es im Schatten auch viel Unglück gibt. Die Alkoholkrankheit, von der immerhin in der Steiermark mehr als 50.000 Personen betroffen sind, wird in der Gesellschaft immer noch oftmals tabuisiert. Alkoholprävention ist daher eine der größten Aufgaben der Gesundheitspolitik“.

„Das Thema Alkohol ist gerade in Österreich mit vielen Tabus und Klischees behaftet und wird daher in der Öffentlichkeit häufig nicht als Problem wahrgenommen. Die Wahrheit sieht leider anders aus: Im OECD-Vergleich liegt Österreich beim Pro-Kopf-Alkoholkonsum an dritter Stelle, 24 Prozent der Männer und zehn Prozent der Frauen konsumieren täglich eine Alkoholmenge, die bereits ein beträchtliches Gesundheitsrisiko darstellt“, weiß die Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Verena Nussbaum. Der Sozialversicherung ist die Bedeutung der Alkoholprävention sehr wohl bewusst, eine trägerübergreifende Arbeitsgruppe wird sich intensiv mit der Thematik beschäftigen. Nussbaum: „Durch ihre zahlreichen Aktivitäten im Bereich der Gesundheitsförderung kann die Steiermärkische Gebietskrankenkasse hier wertvolle Basisarbeit leisten. Es muss viel besser im Bewusstsein der Menschen verankert werden, Alkohol nicht nur als gesellschaftlich akzeptiertes Genussmittel, sondern auch als legale Droge mit hohem Suchtpotential zu begreifen.“

Jürgen Rehm, Direktor für Sozialforschung und Epidemiologie am Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen und seelische Gesundheit in Toronto, unterscheidet in seinem Vortrag strikt zwischen verhältnis- und verhaltenspräventiven Maßnahmen. Wobei die Verhältnisprävention Einfluss auf Gesundheit bzw. Krankheit nimmt, indem sie Veränderungen der Lebensbedingungen des Menschen anstrebt; im Gegensatz dazu beeinflusst die Verhaltensprävention das individuelle Gesundheitsverhalten. Allgemein ist für die Verminderung alkoholbedingter Schäden Verhältnisprävention wirksamer und vor allem auch kosteneffektiver.

Ist zwanghafter Konsum von Alkohol eher ein Laster oder eine Krankheit? Diese Frage beleuchtete Martin Kurz, Leiter des Zentrums für Suchtmedizin an der Landesnervenklinik Sigmund Freud und fachlicher Berater des Aktionsplans Alkoholprävention. Der Vortrag war ein kultur- und medizingeschichtlicher Abriss des aktuellen suchtmedizinischen Wissensstandes, der auch gewohnte Sichtweisen in Frage stellte.

Die beiden Vorträge von Andreas Prenn, Leiter der Supro – Werkstatt für Suchtprophylaxe in Götzis/Vlbg., bzw. Martina Rummel, Psychologin am Institut für Betriebliche Suchtprävention in Berlin, behandelten Beispiele erfolgreicher Alkoholprävention sowohl im betrieblichen Umfeld als auch auf kommunaler Ebene speziell bei der Zielgruppe der Jugendlichen.

Der zuständige Suchtkoordinator des Landes Steiermark, Klaus Peter Ederer, hat in seinem Beitrag die Erarbeitung dieses Steirischen Aktionsplans Alkoholprävention, mit ExpertInnen aus den Bereichen der Suchtprävention, Suchthilfe sowie mit wesentlichen AkteurInnen aus den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Hilfsangebote (Polizei, …) präsentiert. Der Aktionsplan, der bis 2020 umgesetzt werden soll, hat zum Ziel, dass eine Veränderung der alkoholbezogenen Gesundheit der Bevölkerung sichtbar wird.