11. Steirische Gesundheitskonferenz 2016

„Der Gesundheit verpflichtet“ war das Motto der 11. Steirischen Gesundheitskonferenz. Die Konferenz war gleichzeitig der 1. Dialogtag zum „Steirischen Gesundheitsplan 2035“. Diskutiert wurde das Leitbild des „Steirischen Gesundheitsplan 2035“, das einen klaren Weg für die notwendigen Veränderungen der Gesundheitsversorgung zeichnet. Auch das Ziel ist klar: Die Steiermark soll auch in Zukunft seinen Bürgerinnen und Bürgern eines der besten unter den vergleichbaren europäischen Systemen anbieten.

Schneller Wandel und permanente Umbrüche kennzeichnen die Zeit, in der wir leben. Diese Entwicklungen bergen große Chancen und Herausforderungen, sie erfordern eine dauernde Weiterentwicklung und Veränderung in den unterschiedlichsten Bereichen unseres Lebens – auch im Gesundheitsbereich. Die demografische Entwicklung, veränderte Krankheitsbilder, zunehmende Lebenserwartung und allgemeine neue Rahmenbedingungen wie die fortschreitende Digitalisierung erfordern moderne Antworten für eine optimale Gesundheitsversorgung der Bürgerinnen und Bürger. Denn nur wer Veränderungen erkennt und die Rahmenbedingungen richtig weiterentwickelt, wird auch in Zukunft unseren hohen Lebensstandard halten können.

„Steirischer Gesundheitsplan 2035":
Mit mehr Nähe und mehr Beteiligung zu einem der besten Gesundheitssysteme Europas
Um diesen Herausforderungen aktiv und vorausschauend zu begegnen wurde der „Steirische Gesundheitsplan 2035" entwickelt und anhand eines Leitbildes skizziert. Bei der heutigen Gesundheitskonferenz wurde das von beiden Regierungspartnern und der Sozialversicherung unter Einbindung der wichtigsten Gesundheitspartner entwickelte Leitbild intensiv diskutiert. Im Fokus des „Steirischen Gesundheitsplans 2035" stehen:

  1. Mehr Qualität: Mit dem „Steirischen Gesundheitsplan 2035" wird ein Gesundheitssystem entwickelt, das den gleichwertigen Zugang zu erstklassiger medizinischer Qualität, gleichzeitig aber die Finanzierbarkeit des Systems gewährleistet. 
  2. Mehr Nähe: Mit dem „Steirischen Gesundheitsplan 2035" rückt die medizinische Versorgung näher zu den Steirerinnen und Steirern. Sie orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen und beinhaltet erstklassige, perfekt abgestimmte medizinische Leistung in bestmöglicher Breite und Tiefe. Der Zugang zum Gesundheitssystem erfolgt in Zukunft für alle gleich – zu jeder Zeit und in gleicher Qualität.
  3. Mehr Beteiligung: Der „Steirische Gesundheitsplan 2035" wird durch einen breitest möglichen Dialog und die Einbindung aller Beteiligten in Angriff genommen werden.

Die nächsten Schritte: Intensivierung des Dialogs auf allen Ebenen
Im Leitbild zum „Steirischen Gesundheitsplan 2035" wurden in gemeinsamer Arbeit die Zielvorstellungen bis 2035 erfasst. Sie sind die Grundlage für einen intensiven Dialog, um ein gemeinsames Verständnis für das Gesundheitswesen und die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung auf allen Ebenen gleichwertig sicherzustellen. Mit dem heutigen Tag startet der gemeinsame Dialog zum „Steirischen Gesundheitsplan 2035", der in den nächsten Monaten auf allen Ebenen und in allen Regionen der Steiermark intensiv weitergeführt wird und zu einer Beschlussfassung führen soll. Damit steht die Koalition.Zukunft.Steiermark schon heute für ihr gemeinsames Ziel von morgen ein: Mehr Nähe zu den Menschen und mehr Beteiligung – für eines der besten Gesundheitssysteme Europas.

Christopher Drexler, Landesrat für Gesundheit und Pflegemanagement
Die Aufgabe, eines der besten Gesundheitssysteme aufrecht zu erhalten und weiter auszubauen, ist eine große Herausforderung, der wir uns zu stellen haben. Unser Ziel muss es sein, den Steirerinnen und Steirern die beste und qualitativ hochwertigste Versorgung im Krankheitsfall anbieten zu können. Darauf haben wir uns heute verständigt und werden in den nächsten Monaten ganz intensiv mit den Stakeholdern und Partnern, den Verantwortlichen in den steirischen Regionen sowie der Steirerinnen und Steirern aktiv kommunizieren, um gemeinsam dieses Ziel zu erreichen. Mir ist dabei besonders wichtig, dass für die Bevölkerung eine wohnortnahe Primärversorgung und in unseren Spitälern eine spitzenmedizinische Versorgung zur Verfügung steht.

Clemens Martin Auer, Sektionschef  - Sektion I – Bundesministerium für Gesundheit
Ziel der Gesundheitsreform ist eine nachhaltig qualitätsgesicherte, effektive und effiziente Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung.  Der vorliegende steirische Gesundheitsplan 2035 beschreibt genau diese Herausforderungen an das Gesundheitssystem.  Mit der Umsetzung dieses Planes ist die Steiermark Vorreiter für österreichweite Vorhaben. Dass dies ein weiter Weg ist und nicht immer einfach sein wird, muss den Verantwortlichen bewusst sein. Jedenfalls ist dieser Weg und dieses Vorhaben aus Sicht des Bundes zu begrüßen.

Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer
Die WKO Steiermark setzt sich für bedarfsorientierte und effiziente Strukturen im Gesundheitswesen ein. Es muss gelingen, die Spitalsambulanzen durch die integrierte Versorgung bzw. der besseren Kooperation zwischen extra- und intramuralen Bereich zu entlasten. Neben den niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Fachärzten spielen dabei auch die privaten Krankenanstalten, Ambulatorien und Institute eine ganz wesentliche Rolle. Insbesondere in den Regionen muss die fachärztliche Versorgung auch in Zukunft sichergestellt werden. Innovationen im Gesundheitssystem werden auch durch neue Technologien, die durch die Digitalisierung vorangetrieben werden, ermöglicht. Diese Chancen sollten genutzt werden. 

Ursula Lackner, Landesrätin für Bildung und Gesellschaft
Mit dieser Reform müssen wir mehrere Ziele verfolgen: Es geht nicht nur darum, unser hervorragendes Gesundheitssystem weiter zu entwickeln und es sinnvoll und leistbar zu strukturieren, um die Steirerinnen und Steirer in allen Gesundheitsaspekten gut zu versorgen. Wir müssen auch sicherstellen, dass sich die Menschen gut versorgt fühlen. Es gilt, einen Entwicklungsprozess zu starten, der den Steirerinnen und Steirern Sicherheit gibt, indem er in der ersten Phase das regionale Angebot verbessert: Eine wohnortnahe Erst- und Notfallsversorgung rund um die Uhr, gut erreichbare bzw. auch ins Haus kommende praktische und fachärztliche Versorgung in grundsätzlichen medizinischen bis hin zu pflegerischen Fragen und Problemen sowie Spitzenmedizin in bestens ausgestatteten Spitälern als Kompetenzzentren.

Herwig Lindner, Präsident der Steirischen Ärztekammer
Ich fordere eine Reform im ernsthaften Dialog mit den Leistungsträgern im Gesundheitswesen – eine Reform am runden Tisch über die Köpfe hinweg wird scheitern. Das Leben ist keine Excel-Tabelle. Die Reform muss auf vier Säulen stehen: Beseitigung der Überregulierung, Verlässlichkeit und langfristige Planbarkeit, Nutzung und Einbeziehung bestehender Strukturen sowie insgesamt Ehrlichkeit und Kostenwahrheit.

Verena Nussbaum, Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse
Reformen im steirischen Gesundheitswesen erfordern auch eine neue Versorgungsplanung im niedergelassenen Bereich. Mir ist besonders wichtig, den Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung auch außerhalb der Ballungsräume sicherzustellen. Die Primärversorgung wird dabei gerade in strukturschwachen und ländlichen Regionen eine wesentliche Rolle spielen. An einem Eckpfeiler ist für die STGKK als größter Sozialversicherungsträger des Landes nicht zu rütteln: Der gleichberechtigte Zugang zur bestmöglichen Gesundheitsversorgung für alle – unabhängig von Faktoren wie Alter, Einkommen, Geschlecht oder soziale Herkunft – muss gewährleistet bleiben. Gesundheit darf niemals zum Luxus werden!

Josef Pesserl, Präsident Kammer für Arbeiter und Angestellte
Das Bessere ist der Feind des Guten. Österreich hat ein ausgezeichnetes Gesundheitswesen. Um die medizinische Versorgung mit einem niederschwelligen Zugang mit höchster Prozess-, Struktur- und Ergebnisqualität, mit bestmöglicher Versorgungssicherheit und möglichst patientennahe auch in Zukunft für alle Menschen sicherzustellen, braucht es dringend die dafür notwendigen Veränderungen. Das vorliegende Leitbild zum Steirischen Gesundheitsplan 2035 bildet die Grundlage zur Erreichung dieser Ziele und ich unterstütze dieses daher sehr gerne. 

Jochen Pildner-Steinburg, Präsident der Industriellenvereinigung
Wir leisten uns eines der besten aber auch eines der kostspieligsten Gesundheitssysteme der Welt - dieses System läuft Gefahr, unleistbar zu werden. Im vorliegenden Steirischen Gesundheitsplan 2035 sind erste Ansätze zu erkennen, wie das Land Steiermark die Herausforderung zwischen einerseits qualitativem Anspruch und andererseits finanziellen Möglichkeiten in Angriff nehmen möchte. Um die budgetäre Handlungsfähigkeit der Steiermark auch für die Zukunft abzusichern und um den Steirerinnen und Steirern weiterhin eine Versorgung auf medizinisch höchstem Niveau bieten zu können, ist das rasche Einleiten von Strukturanpassungen alternativlos! Wesentlicher Erfolgsfaktor wird sein, in wie weit die Stakeholder in diesem Prozess imstande sind, kurzsichtige Partei- und Gruppeninteressen in den Hintergrund zu stellen und verantwortungsvoll und nachhaltig für Land und Menschen zu agieren.

Josef Probst, Generaldirektor des Österreichischen Hauptverbandes für Sozialversicherungsträger
Die Österreicherinnen und Österreicher schätzen unser Gesundheitssystem. Es liegen aber viele Patientinnen und Patienten unnötigerweise im Spital. Wir müssen das Gesundheitssystem daher so weiter entwickeln, dass die ambulante wohnortnahe Betreuung der Bevölkerung gestärkt wird. Wir werden daher die integrierte Primärversorgung mit Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern, diplomiertem Krankenpflegepersonal und weiteren Gesundheitsberufen zu inhaltlich und zeitlich umfangreicheren Services ausbauen. Primärversorgungszentren und -netzwerke sind das Modell der Zukunft: attraktiv für Patientinnen und Patienten sowie Gesundheitsberufe. Diese Rahmenbedingungen sind im vorliegenden Leitbild gut beschrieben und daher jedenfalls zu unterstützen.

Horst Schachner, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes
Die gesundheitliche Versorgung der Menschen ist eine der wichtigsten Forderungen der Gewerkschaft gepaart mit der Forderung, dass die unterschiedlichen Berufsgruppen im Gesundheitsbereich den entsprechenden Stellenwert haben. Wir werden nicht zulassen, dass die Berufsgruppen der Pflege aber auch der Ärztinnen und Ärzte bei diesen geplanten Vorhaben und Veränderungen unter die Räder kommen, denn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind in Wirklichkeit die, die das System tragen. In diesem Leitbild ist mir aufgefallen, dass darauf auch Rücksicht genommen wurde, daher sollte es umgesetzt werden. 

Renate Skledar, Pflege- und PatientInnenombudsfrau
Gerade als Pflege- und PatientInnenombudsfrau bin ich laufend mit den Sorgen von Patientinnen und Patienten konfrontiert. Eines der dabei am häufigsten vorkommenden Themen für die Patientinnen und Patienten ist das ‚Herumirren' im Gesundheitssystem. Das vorliegende Leitbild setzt die Schwerpunkte in die Primärversorgung sowie in die Rund-um-die-Uhr – Betreuung einerseits und andererseits auf konzentrierte Spitzenversorgung. Die medizinische Qualität und die Sicherstellung der patientennahen Gesundheitsversorgung muss jedenfalls höchste Priorität in unserem Gesundheitssystem haben.

   v.l.n.r.: Probst, Skledar, Auer, Nussbaum, Drexler, Lackner, Pesserl, Lindner bei der Pressekonferenz
  „Gesundheit braucht Zukunft: Steirischer Gesundheitsplan 2035"